Lesecafé: Vogelhochzeit und Klaviergeschichten im Steinway-Park

Wie ein sprechendes Klavier einem kleinen Mädchen die Angst vor dem Klaviervorspiel nahm…

Am 15. Juni fand das Lesecafé bei strahlendem Sonnenschein im Steinway-Park in und vor der Musikmuschel statt. Der Scherenschnitt oben auf der Musikmuschel stellt den Kopf William Steinways dar und Frau Schimmel hat ihn im Jahr 1996 zum 100. Jubiläum des Parks angefertigt. Die Initiatoren (der Arbeitskreis Jung und Alt, der Steinway-Park Verein, die Seniorenwohn- anlage am Schildberg, die AWO und der Paritätische Wohlfahrtsverband Seesen) freuten sich darüber, 100 Besucher willkommen heißen zu können.

Zur Einstimmung gab es Chorgesang zu hören: Die erste Klasse der Grundschule am Schildberg gab unter der Leitung ihrer Lehrerin Frau Windolf „die Vogelhochzeit“ zum Besten – mit Gitarren- und Blockflötenbegleitung. Die Kinder waren vorher kreativ und haben sich bunte Vogelmasken gebastelt, die sie beim Vorsingen natürlich auch aufsetzen durften – passend zur Vogelhochzeit.

Den Stifter des Parks, William Steinway, hätte dies bestimmt gefreut, wenn er das erlebt hätte, so Moderator Dirk Stroschein, der durch das Programm führte. Steinway war nämlich nicht nur ein guter Klavierspieler, sondern auch ein begeisterter Chorsänger. Er sang als Tenor in einem deutschen Chor in New York.

Zwei Mädchen und ein Junge aus der dritten Klasse der Grundschule am Schildberg lasen mit verteilten Rollen aus dem amerikanischen Kinderbuch „Henry the Steinway and the Piano Recital“ von Sally Coveleskie, Peter Goodrich und Laura Friedman vor. Der englischen Sprache mussten sie allerdings nicht mächtig sein, denn dank Dirk Stroscheins Übersetzung konnten die SchülerInnen die Geschichte auf Deutsch vorlesen. Die Zuhörer erfuhren von der kleinen Anna, die schon in einer Woche „für Elise“ auf dem Klavier in der Steinway Hall vorspielen musste. Von der Tochter eines berühmten Pianisten erwartete man viel und das, obwohl sie anstatt zu üben viel lieber draußen spielen wollte. Unglücklicherweise stellte sich in den Proben heraus, dass sie alles vergessen hatte, was sie lernte und das Lied nicht spielen konnte. Nach den Ermahnungen der Klavierlehrerin sollte sie viel üben und die letzte Woche vor dem Vorspielen am 1. Mai nutzen, damit sie sich nicht blamiert. Zu Hause angekommen, versuchte sie noch einmal, „für Elise“ zu spielen, was ihr nicht gelang. Als sie zu weinen begann und ihre Tränen auf die Tasten des Klaviers fielen, begann es zu sprechen und stellte sich als „Henry the Steinway“ vor. Es begann eine schöne Freundschaft, Anna übte jeden Tag mit Henry, bis sie „für Elise“ wunderbar spielen konnte. Als sie beim großen Tag das Lampenfieber überkam und sie kurz dachte, sie habe alles wieder vergessen, erkannte sie das freundliche Gesicht Henrys im fremden Klavier. Ihr Vorspiel wurde sogar ein voller Erfolg! Seitdem hat sie ihre Liebe zum Klavier spielen entdeckt und freut sich darauf, neue Lieder mit Henry spielen zu lernen. Diese rührende Geschichte hat „Jung“ und „Alt“ sehr gut gefallen und so mancher dachte vielleicht an seine eigenen Klavierstunden während seiner Kindheit.

Nicht nur Kinder lasen vor, auch Erwachsene haben ihre Geschichten mitgebracht. So bekam das Publikum eine wahre Geschichte zu hören, wie sich jemand dank Youtube-Videos im Internet und eines Klavier-Tutorials das Klavierspielen selbst beibrachte, nachdem er von seiner Tante ein gebrauchtes Keyboard geschenkt bekam, das nun nicht mehr im Keller verstauben musste. Während des vergnüglichen Nachmittags bekam man nicht nur Klaviergeschichten, Piratengeschichten und Gedichte über Bäume zu hören, sondern auch Wissenswertes über William Steinway, ohne den es den Kurpark nicht gäbe und der die Einweihungsfeier nicht mehr erlebte. Er war ein Marketinggenie und auch ein Menschenfreund, der schon früh die Kunst förderte. So entstand in New York die Steinway Hall mit den Konzerten, die dort regelmäßig stattfanden. Der Konzertsaal befand sich hinter der Steinway Hall, die als Ausstellungsraum der Klaviere und Flügel diente. Jeder, der ein Konzert besuchen wollte, musste zuerst an den Klavieren vorbei und so manches wurde auf diese Weise verkauft. William Steinway blieb seiner Geburtsstadt Seesen stets verbunden. Er abonnierte sogar den Seesener Beobachter, damit er immer gut darüber informiert war, was in Seesen passierte und er setzte sich dafür ein, dass die Armen der Stadt zu einer guten Bildung kamen. Nach so vielen Geschichten und Informationen gab es zwischendurch eine Pause, damit sich die Besucher mit Waffeln, Zuckerkuchen, Kaffee und Saft stärken konnten, die Sabine Vollmers mit ihren Helferinnen vom Steinway-Park Verein kredenzte.

Einige Fotos vom Lesecafe im Park finden Sie in unserem Fotoalbum.

Bei Fragen rund um den Arbeitskreis „Jung und Alt“ stehen Ihnen die Mitglieder Ute Albrecht, Telefon (05381) 491807 und Sabine Wichmann, Telefon (05381) 492247 zur Verfügung.

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